BUND Kreisgruppe Siegen-Wittgenstein

BUND Streuobstwiese Bürbach

Satte Apfelernte auf der Streuobstwiese

Die BUND-Streuobstwiese bietet leckere Vielfalt

Naturpädagoge mit Kindergartenkindern beim Apfelschälen © Ines Schulte-Wilde

Dieter Trösken – unser Streuobstwiesenpfleger – steht auf der Leiter. Die ist 8 m lang. Er steigt auf, pflückt und reicht von oben die gefüllten Eimer am Seil nach unten, wo Klaus Lücke und Evelyn Alishiri als sein fleißige Helfer bereitstehen, die Eimer leeren und wieder am Seil hochziehen. So wird geerntet, Stunde um Stunde, mehrere Tage lang: Rote Sternrenette, Grahams Jubiläum, Landsberger Renette, Kaiser Wilhelm, Grafensteiner – alte Apfelsorten allesamt, die sich nicht nur vom Aussehen, sondern vor allem durch den Geschmack unterscheiden. Und die Geschmacksvielfalt ist es, die das Ernten so interessant macht.

Andere sind dabei, die Äpfel mit Apfelpflückern zu ernten, Erwachsene und Kinder. Sie sind alle gekommen, weil Lea Burwitz sie eingeladen hatte. Seit kurzer Zeit gibt es nämlich mit uns einen Kontakt zu der Foodsharing Kampagne in Siegen, maßgeblich vertreten durch Lea Burwitz, Promoterin für Urbane Gärten im Kreis Siegen-Wittgenstein.
Hier die Links für weiter Infos: www.urbangardening-siwi.de und www.eineweltforumsiegen.de/urban-gardening/www.urbangardening-siwi.de

Pflege, Ernte von regionalen und alten Apfelbäumen, ebenso die weitere Verarbeitung gemeinschaftlich sind Teile des urban gardening Konzeptes. Unser Projekt der Streuobstwiese passt daher sehr gut in die der Vernetzung mit diesem Konzept hinein. Unser Ziel ist es, weitere Möglichkeiten und Synergien zu entwickeln.

Die gepflückten Äpfel sollen dann in einem weiteren Projekt weiter genutzt werden z. B. zum Einkochen, Essen, Backen usw. BUND-Mitglieder werden ebenfalls dort mitmachen. 
Pressebericht in der Westfälischen Rundschau vom 29.10.2021

Die Kita „Himmelszelt“ besucht unsere BUND-Streuobstwiese in Bürbach

@ Ines Schulte-Wilde

Eine bunte und fröhliche Schar von Kindern aus der Kita „Himmelszelt“ vom Bürbacher Giersberg, ausgestattet mit Matschhose und Gummistiefeln besuchten unsere Streuobstwiese, voller Neugier, was es da zu pflücken und zu kosten gab. Verschiedene Apfelsorten wurden da probiert und in mitgebrachte Körbchen gesammelt. Denn die brauchten die Äpfel, um sie anschließend für die Zerkleinerung in der Mühle zu schnippeln– das machten die Erwachsenen – und schließlich mit vereinten Kräften die Presse zu bedienen, um den Saft zu gewinnen und zu genießen. Das machten alle zusammen.

Streuobstwiesenpädagoge Daniel Rath hat auf seine ganz besondere Art, kindgerecht von diesen Vorgängen – vom Apfel am Baum zum Saft aus der Presse – die Kinder begeistern können. Wollen wir hoffen, dass diese Erlebnisse für die Kleinen nachwirken:

  • dass Äpfel von alten Baumsorten – unbehandelt – auch mal fleckig und ganz unterschiedlich groß sein und ganz verschieden gut schmecken können und die ganze Vielfalt erlebt werden kann. 16 Apfelsorten sind allein auf unserer Streuobstwiese zu finden.
  • dass gekaufte Äpfel in der Regel alle gleich groß und geschmacklich kaum zu unterscheiden und vorwiegend nur süß gezüchtet sind und es nur eine begrenzte Zahl von Apfelsorten zu kaufen gibt.

BUND Streuobstwiese Siegen Bürbach

Apfelbaum mit knackig-roten Äpfeln auf der BUND Streuobstwiese Siegen-Bürbach © Dieter Trösken

Streuobstwiesen sind ein wichtiger Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere. Früher waren ringförmig um die Dörfer des Siegerlandes Streuobstwiesen angelegt, sie sind auch heute noch hier und dort sichtbar. Auf diesen Wiesen befinden sich oftmals alte allergenarme Apfelsorten. Um sich nicht nur theoretisch mit dem Thema Streuobstwiese auseinanderzusetzen, nahm der BUND Siegen-Wittgenstein dies zum Anlass, eine mit überaltertem, aber biologisch wertvollem Baumbestand in die Jahre gekommene Streuobstwiese in Siegen-Bürbach zu betreuen. Sie wurde durch Ergänzungspflanzungen revitalisiert. Auch abgestorbene Bäume und Totholzhaufen sind auf der Obstwiese zu finden, denn gerade solche Totholz-Lebensräume sind für die Erhaltung der biologischen Vielfalt unersetzlich. 

Daneben gibt es jedes Jahr auch was zu ernten. Es hat sich gezeigt, dass dort nicht nur leckere Äpfel gedeihen, sondern auch Kinder Natur hautnah erleben können. Mit Kinder- und Jugendgruppen wurden bereits mehrfach unter fachlicher und pädagogischer Anleitung Äpfel geerntet und noch auf der Obstwiese gekeltert. Der leckere Apfelsaft wurde direkt vor Ort probiert.

Mittlerweile befinden sich auf der Streuobstwiese neben einzelnen Birnen und Pflaumenbäumen weitere 27 Apfelbäume. Bei diesen Bäumen wurden 13 verschiedene alte Apfelsorten bestimmt.

Unsere aktuelle Apfelsortenliste

Die Streuobstwiese – immer schon ein wichtiger Lebensraum

Früher hatte jedes Dorf seinen "Gürtel" aus Obstbaum-Beständen. Reste dieser Streuobstwiesen, die in früheren Zeiten ringförmig um die Dörfer angelegt waren, sind auch heute noch hier und dort sichtbar. In Kriegszeiten dienten sie der Bevölkerung als Nahrungsquelle. In neuerer Zeit wurden sie jedoch vor allem im Zuge von Siedlungserweiterungen beseitigt und bereichern nur noch vereinzelt unser Landschaftsbild.

Seit einiger Zeit schon betreuen engagierte Mitglieder der Kreisgruppe Siegen-Wittgenstein im Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) eine städtische Streuobstwiese in Bürbach. Der BUND hatte daher in das Heimathaus vor Ort eingeladen, um über die Gesamtsituation der alten Streuobstwiesen zu informieren. Biologe Ralf Kubosch erläuterte, dass durch einen Pacht- und Nutzungsvertrag mit der Stadt Siegen für die nähere Zukunft die Pflege der alten Obstsorten gewährleistet sein soll. Zusammen mit dem ortsansässigen Landwirt könne ein Projekt der Nachhaltigkeit gelingen, das dem Artenschutz dient, und gleichzeitig die Bevölkerung mit den regionalen Naturschutzaktivitäten vertraut macht. "Wenn schon in der nächsten Erntesaison die Saftpresse in Stellung gebracht wird, erleben gerade auch Kinder der Kreislauf der Natur," freute sich Bärbel Gelling, Sprecherin der BUND-Kreisgruppe und begrüßte es, zum Thema den versierten Fachmann Patrick Spies vorstellen zu können.

Der Produktionsleiter, geboren und aufgewachsen in Siegen, hatte in seinem anschaulichen Vortrag der umweltgerechten Landbewirtung eine Lanze gebrochen. Mit Unterstützung der Stadt Siegen konnte er in Zusammenarbeit mit der Universität Stralsund jetzt seine Erhebung zum Zustand der noch bestehenden Streuobstwiesen im Stadtgebiet vorlegen. Da die letzte Erhebung 1993 stattfand, konnten nun gute Vergleiche zum Istzustand gezogen werden. Schon ab drei Bäumen außerhalb von Siedlungsflächen könne man von einer Streuobswiese sprechen, führte er aus. Aktuell habe er 1551 Bäume erfasst. Der Großteil seien Äpfel, gefolgt von Kirsche und mit nur 1% die Birne. Um den hohen Anteil an den über 50 jährigen Bäumen zu kompensieren, die ja irgendwann abgängig seien, müssten weitere Neupflanzungen erfolgen, mahnte Spies. Der Pflegezustand sei insgesamt durchschnittlich (bis schlecht)und verbesserungswürdig.

Als Richtschnur der Studie gilt die Definition des guten Zustands als hohe ökologische Bedeutung. 75 Standorte wurden in Augenschein genommen und die Begutachtungen in einem Kartierungsbogen eingetragen. Als Kriterium gelten Alter, Sorten, Erhaltung und Pflegezustand für ein artenreiches Biotop.

Wichtig sei die Vernetzung, so Spies. Ein loser Bestand v. Bäumen, die Sonnendurchlässigkeit und das Nahrungsnetz seien weitere wichtige Bausteine. Zudem könnten aber auch zusätzliche Habitate geschaffen werden, z. B. Holz-u. Steinhaufen, Vogelhecken, Nisthilfen oder Gewässer. Eine Unternutzung z.B. durch Tiere könne auch Beeinträchtigungen zur Folge haben. Hier sollten Nachpflanzung zur Verjüngung eine Schnittwundenbehandlung und Anlage von Baumscheiben erfolgen.

Positiv wertete Spies, dass weiterhin Streuobstwiesen vorhanden seien. Die Anzahl der Bäume sei aber stagnierend. Er plädierte dafür, Initiativen zur Vermarktung schaffen, z.B. mit dem Alleinstellungsmerkmal "Siegener Streuobstsaft". 

"Erhalten durch essen" dieser Begriff des Pomologen Theo Morgenschweis läutete die anschließende Diskussion ein. Rolf Schirmacher vom BUND rückte den medizinischen Wert in den Focus, da die so genannte „Apparatemedizin“ ja ein Gegengewicht durch Bioernährung, Heilpflanzen, und die Rückbesinnung auf alte, verträgliche Obst-Sorten erfahren. Mit der Einführung eines Siegerländer Sortenarchivs könne man bei der Bürbacher Obstwiese anfangen.

-Ines Schulte-Wilde-