Hilchenbach – Lützeler Heide

An den Bürgermeister
der Stadt Hilchenbach
Herr Kyrillos Kaioglidis
Markt 13
57271 Hilchenbach

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

die Naturschutzverbände Nabu Siegen Wittgenstein und BUND Kreisgruppe Siegen-Wittgenstein haben zur Kenntnis genommen, dass die Stadt Hilchenbach beabsichtigt, vor Inkrafttreten des neuen Regionalplanes einen Bebauungsplan für den Bereich Lützeler Heide aufzustellen mit dem Ziel, dort eine Gewerbefläche von ca. 5 ha auszuweisen. Die Stadt beruft sich dabei auf die Gültigkeit des noch bestehenden Regionalplanes, der dort ein Gewerbegebiet vorgesehen hatte und den von der Stadt 2002 aufgestellten Flächennutzungsplan.
Der jetzt in Aufstellung befindliche Regionalplanentwurf weist diese Flächen in früher Absprache mit der Stadt als Freiraum- und Agrarflächen aus. Aufgrund der hohen naturschutzfachlichen Bedeutung dieses Gebietes wurden im Regionalplanentwurf die Bereiche zum Schutz der Natur, BSN, die größtenteils das FFH-Gebiet und Natura 2000 Gebiet beinhalten, noch ausgeweitet (siehe grüne Linie)
und ragen nun unmittelbar in die zur Gewerbenutzung beabsichtigte Bebauungsplanfläche direkt südlich der Bahnlinie und östlich der L 722 hinein. Ein jetzt noch schnell durchgeführtes Genehmigungsverfahren würde den in die Zukunft gerichteten Absichten des neuen Regionalplanentwurfes klar entgegenstehen. Auch konterkariert dies die planerische Absicht, größere Entwicklungen hauptsächlich in den Allgemeinen Siedlungsbereichen (ASB) zu konzentrieren, um einer weiteren Zersiedlung entgegen zu wirken.
Durch die Nähe zum FFH-Gebiet Rothaarkamm und Wiesentäler (teilweise unter 300 m) und zum geschützten Biotoptyp BK-SI-0006 (ca.150- 200 m im Bereich Herrenwiese) werden mögliche Immissionsauswirkungen wie Stoffeinträge, Lärm, Lichtverschmutzung usw. in einer Verträglichkeitsuntersuchung zwingend und bedeuten aufwändige Verfahren. Dies stände auch einer weiteren positiven Natur- und Artenschutzentwicklung im Bereich Herrenwiese entgegen, denn als Schutzziel wird hier folgendes definiert:
„Erhaltung von artenreichem Feuchtgrünland und ehemaligen Teichen als Lebensraum und Rückzugsgebiet biotopspezifischer Tiere und Pflanzen am Siedlungsrand von Lützel und als Ergänzungsfläche zum östlich anschließenden Biotopkomplex.“
Der jetzt noch bestehende Freiraum an der Eisenstraße hat eine große landschafts-bildnerische Bedeutung, da das Gebiet nach Westen bis zum Rothaarkammabfall, südlich des Bahneinschnittes und östlich talwärts bis zum einmündenden Edertal weitgehend frei von großen technisch geprägten Strukturen ist. Gewerbehallen und Freilager, möglicherweise noch mit sichtbaren Halden von Kunststoffabfällen am Beginn der von vielen Erholungssuchenden beliebten Naturerlebnisregion Rothaarkamm wirken touristisch nicht sehr anziehend. Auch der in unmittelbare Nähe vorbeiführende Wanderweg Rothaarsteig würde negativ beeinflusst.
Um diese Flächen plan eben zu bekommen, werden östlich große Hangaufschüttungen nötig werden. Die Agrarflächen werden momentan von einem landwirtschaftlichen Betrieb extensiv als Magerwiesen genutzt und würden der Landwirtschaft auf Dauer entzogen. Soll der Umstieg von industrieller auf biologische Landwirtschaft gelingen, werden zukünftig eher mehr als weniger Landwirtschaftsflächen benötigt.
Aufgrund der Höhenlage zu Beginn des Tales sind diese Flächen etwas trockener als die tiefer gelegenen Feuchtwiesen mit stellenweise Niedermoorcharakter. Dadurch bietet das gesamte Gebiet eine reiches Biotopspektrum, welches sich günstig auf die Artenvielfalt auswirkt. Die beplanten Flächen dort sind ein sehr beliebter Rastplatz für Zugvögel, wie z.B. Kiebitze usw. und Wild. Auch wenn die Freiflächen nicht direkt zu den Naturschutzgebieten gehören, sehen wir diese doch im ökologischen Zusammenhang und befürchten negative Auswirkungen auf Flora und Fauna.
Wir empfehlen daher den Stadtverordneten diesen qualitativ hochwertigen Naturraum als Chance für die zukünftige Entwicklung Hilchenbachs zu betrachten und bitten Sie um Ablehnung des Beschlusses für den Bebauungsplan.

Mit freundlichen Grüßen
Gez. Wolfgang Weber-Barteit
 im Namen von Nabu Siegen-Wittgenstein und BUND Kreisgruppe Siegen-Wittgenstein