BUND-Umwelturkunde 2020

BUND-Umwelturkunde 2020

Engagierte Menschen, Firmen oder öffentliche Institutionen für den Einsatz im Sinne des Umwelt-und Naturschutzes auszuzeichnen, ist alljährlich ein Anliegen des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Siegen-Wittgenstein. In der langen Reihe gesellschaftlich anerkannter Institutionen sei es jedoch das erste Mal, dass die Urkunde an zwei Kinder geht, freut sich Bärbel Gelling, als Sprecherin des Verbands.
„Der Bund zeichnet heute kleine Pioniere aus. Kinder, die vorgemacht haben, das regionale Versorgung im kleinsten Rahmen ein Anfang sein kann.“
„Das ungewöhnliche Hobby und die Ausdauer der 12 und 14 jährigen Schüler hat uns die Auswahl leicht gemacht“, ergänzt Pressesprecherin Ines Schulte-Wilde.
Die beiden Damen hatten sich auf den Weg ins herbstliche Banfe gemacht, um Johannes Weber und Leonard Stenger zur zielstrebigen Verwirklichung ihrer Vorstellungen von einer umweltgerechten, ländlichen Welt zu beglückwünschen.
„Für die Würdigung am heutigen Tag wurde der Grundstein bereits im Jahr 2015 gelegt“, berichtet Leonards Mutter Heike. Damals wurde bei ihrem Sohn der Traum vom Hühnerhalter geweckt. Da bei seinem Onkel die Liebe zum Federvieh bereits vorhanden war, erhielt der Grundschüler eines Tages vier Hennen als Geschenk. Nun ging es ans Werk, mit Unterstützung des Opas einen Hühnerstall zu bauen. Dies rief auch Freund Johannes auf den Plan, der gegenüber wohnt. Er teilte und unterstützte die Fürsorge, die Leonard den Tieren gegenüber aufbrachte, und wünschte sich nichts mehr, als ebenfalls Hühner zu halten. Verantwortung für anvertraute Lebewesen hatte er ja durch die Pflege seines Kaninchens und der Wachteln auf dem Grundstück der Eltern schon unter Beweis gestellt. Schon bald entstand aus Abfallbrettern und frischer Farbe ein weiteres Hühnerdomizil in der Hainstrasse.
Gegen die lauernden Feinde wie Fuchs oder Habicht musste es aber noch entsprechend eingezäunt werden, doch Vater Holger war mit Rat und Tat zur Stelle.
Inzwischen ist bei beiden Freunden die Schar der Hennen und wachsamen Hähne angewachsen. In der Morgendämmerung ist ihr ‚Kikeriki‘ für die Jungs nicht etwa ein lästiger Störfaktor, sondern ein Ruf der Natur. Seit Jahrtausenden wurden schließlich die Menschen durch den ersten Hahnenschrei geweckt.
Doch nicht nur die Versorgung der Tiere mit ökologischem Futter und artgerechtem Auslauf haben sich die beiden auf die Fahnen geschrieben. Sie denken weiter:
Z.B. an die Bedeutung von Boden, Wasser und Luft für den Lebenskreislauf. Deshalb experimentieren sie auch mit dem biologischen Anbau von Gemüse im eigens dafür gebauten Hochbeet. In einer Ecke gelang sogar die Züchtung von Hafer und Gerste aus dem Futter der Kaninchen. Ein Beispiel dafür was der Kreislauf vom Säen, Wachsen und Verwerten für eine Ernährung im Kleinen und Großen bedeutet.
Der BUND überreichte den Kindern zum Dank noch zwei robuste Obstbaumstämmchen, angepasst an das Wittgensteiner Gebirgsklima. Damit soll der Gedanke an den Insektenschutz für die Zukunft wachgerufen und verfestigt werden.
Der Umweltverband wünscht sich, dass noch weitere Kinder und Jugendliche angeregt werden, dem Beispiel von Johannes und Leonard zu folgen. Denn gerade in diesen stressenden Corona-Schulzeiten ist es wichtig, einen Ausgleich dazu nicht nur vor dem Handy zu haben. Die beiden Banfer Jungs schauen jedenfalls optimistisch in die Zukunft. – Vielleicht sehen ja so die Landwirte von morgen aus?…“
Ines Schulte-Wilde