Wissenswertes bei BUND-Exkursion

Dipl.-Biologe Raf Kubosch erläutert die nachhaltige Waldwirtschaft – Fotos: Ines Schulte-Wilde

Rückblick auf die Siegerländer Haubergsgeschichte im Heimathaus Bürbach – Fotos: Ines Schulte-Wilde

Haubergswirtschaft ist den Siegerländern immer noch ein erlebbarer Begriff und stets von Interesse. Der Siegener BUND für Umwelt und Naturschutz (BUND) wählte für seine Veranstaltung deshalb das zeitige Frühjahr, das einen idealen Blick in die Geschichte zulässt und voraus in die Zukunft richtet. Wie hielten es unsere Vorfahren z.B. mit der nachhaltigen Energiegewinnung und Waldwirtschaft?
Mit dieser naturkundlichen Exkursion rund um Bürbach ließ der Biologe Ralf Kubosch ein Stück lebendige Siegerländer Vergangenheit aufleben.
Mit einer kurzen Einführung im Bürbacher Heimathaus konnte sich die interessierte Teilnehmergruppe in das Leben und Arbeiten ganzer Familien in den umliegenden Waldgebieten einfühlen.
Lohe schälen zu Gerbzwecken, Brasenbrennen als Dünger, Roggen und Buchweizen als Nahrungsmittellieferant, Weideflächen für die Haustiere, Kornritter, all das gehörte zur historischen Landschaft rund um Bürbach.
Die Bewirtschaftung lief zyklisch rund um das Dorf ab. Nach 18 bis 20 Jahren war der Kreis geschlossen. Birke, Hasel, oder Hainbuche die stockausschlagfähig sind, waren damals und sind auch noch heute die bevorzugten Haubergs-Bäume.
Kubosch führte die Gruppe auf dem Weg zur Bürbachquelle durch lichten Hochwald, der forstwirtschaftlich genutzt wird, zum Teil aber auch als Naturschutzfläche ausgewiesen ist. Heute werde der Wald zunehmend
„sturmfest“ gemacht, erklärte der Experte. Die Fichte, der sogenannte Brotbaum der Waldgenossen, trete mehr und mehr in den Hintergrund zugunsten von Eiche als beliebtem Bauholzlieferanten. Als Anpassung an die Klimaveränderung werde heute auch schon der wärmeliebenden Esskastanie der Vorzug gegeben. Durch Samen siedelten sich aber auch fremde Eichen, z.B. die Zerreichen an.
Zum Glück fände die energetische Nutzung durch Holzhackschnitzel großen Zuspruch, denn durch den Borkenkäferbefall müssten ständig vor allem Fichten gefällt werden. Diverse Lockstofffallen, die im Gehölz aufgestellt waren, sollten die Schädlinge dezimieren.
Auf den abwechslungsreichen Streckenabschnitten beeindruckte der Einschnitt eines Stollenmundes , der auf den früheren Abbau eisenhaltigen Gesteins, oder auch auf Schiefergruben hinwies.
In dem alten Laubwald mischen sich Buchen, Erlen und Lärchen und werden von zwei Rinnsalen durchzogen, die den Bürbach nähren und den Wald-Untergrund feucht halten.
„Der Fürst auf dem Siegberg war der erste, der fließendes Wasser im Haus hatte“ berichtete Kubosch und fügte stolz hinzu: „Das kam aus Bürbach!“
Beim gemächlichen Wandern stieß man auf alte Bombentrichter, die seit Jahrzehnten zu Tümpeln geworden sind und verschiedene Amphibien beherbergen.
Den Abschluß des Rundgangs bildete die Irlenwiese, ein geschütztes Grünland. Vom ansässigen Landwirt unter Vertragsnaturschutz genommen, bildet sie mitten im Waldumfeld ein Refugium für Wildpflanzen und Orchideen. Begleitet vom Flug eines Buntspechtpärchens waren die Exkursionsteilnehmer in ein Stück Natur eingetaucht, dass als Teil der Stadt Siegen die Jahre als Nutz- und Erholungsfläche überdauert hat.