Umgestaltung Fißmeranlage

Zur geplanten Umgestaltung der Fißmeranlage meldet sich nun die Kreisgruppe Siegen-Wittgenstein des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) zu Wort: „Eigentlich brauchte man nur aus dem Rathausfenster zu schauen, um festzustellen, dass die Fißmeranlage unter Siegens Kröchen ein Kleinod in der Oberstadt ist. Alt und jung begegnen sich hier im Frühjahr, umgeben von reich blühenden Bäumen und Beeten. Gerade jetzt, in einer für den Spätfrühling ungewöhnlich starken und langen Hitzeperiode, spendet das schützende Blätterdach der etwa 100-jährigen, Ortsbild-prägenden Linden an der Nikolai-Kirche wohltuenden Schatten und für das Innenstadtklima wertvolle Kühle. Die Menschen genießen ein Schachspiel oder einfach eine Mußestunde bei Kaffee, Kuchen oder Eis und lassen das geschäftige Treiben an sich vorüberziehen. Sie finden hier einen Rückzugsort mit Nischen und Verweilzonen, relativ abgeschirmt vom angrenzenden, vorbei fließenden Verkehr.“
Warum also gewachsene, gut angenommene Strukturen zerstören und unnötig Grün vernichten, um stattdessen ein „modernes und zeitgemäßes“ Stadtbild zu schaffen, fragen die Naturschützer. Vielmehr sei  hier dem Charakter der Oberstadt eine angemessene und sensibel durchgeführte Restaurierung angesagt.
Spielt die so häufig diskutierte und für das innerstädtische Leben so wichtige Luftqualität, die man in der Unterstadt mit Messungen überwacht und seit Langem zu verbessern versucht, für die Oberstadt keine Rolle? Über den Wert von Stadtgrün als Klimafaktor ist doch hinreichend geschrieben und geforscht worden: Staubfilter, Lärmschutz, Schattenspender und klimawirksame Sauerstoffquelle!!!  Aber nicht zuletzt auch Lebensraum für die Tierwelt.
Zum Thema Stadtökologie appelliert der BUND: „In Zeiten zunehmenden Rückgangs biologischer Vielfalt müssen wir vor allem die altgewachsenen Biotopstrukturen und Lebensraumkomplexe mit ihren intakten Lebensgemeinschaften erhalten und pflegen, ehe wir daneben neue funktionsfähige entwickeln.“
Durch transparente Freiräume,  großzügig angelegte Wegeführungen mit angeblich mehr Sichtachsen, durch Umgestaltung bzw. Wegfall der Beete und Fällung der Gehölze zur Straße hin werde der Charakter dieses „Klubbs“, wie er seit jeher von den Einheimischen genannt wird, zerstört, so der BUND.  Es könne nicht sein, dass ortsbildprägende Baumbestände einer wie auch immer gearteten Planung unterzuordnen und anzupassen sind, und deswegen womöglich auch noch gefällt werden müssen. Im Gegenteil muss eine Planung gefordert werden, die sich an den bestehenden Verhältnissen orientiert und gewachsene Elemente planerisch erhält.
Am Beispiel des sterilen steinernen Marktplatzes mit seinem im Volksmund so genannten ‚Spaghettibrunnen‘ könne man diskutieren, ob Neugestaltungen wirklich Verbesserungen seien.  Sowohl stadtökologisch als auch -klimatisch.
An die derzeit favorisierten Berliner Architekten, die bereits hinreichend in Siegen tätig geworden sind, sei der Wunsch gerichtet, den Charakter der Oberstadt mit seinen prägenden historischen Bauten und Lebensraumstrukturen zu erhalten. Mit vorwiegend Beton, wie z.B. an den neuen Ufern der Sieg  werde das wohl nicht gelingen. Die den Planungen im Innenstadtbereich zugrunde liegenden Forderungen des §1 (5) im Baugesetzbuch (BauGB) beinhalten für die nachhaltige städtebauliche Entwicklung, „die die sozialen, wirtschaftlichen und umweltschützenden Anforderungen auch in Verantwortung gegenüber künftigen Generationen“ miteinander in Einklang zu bringen. Aufgabe zur Sicherung einer menschenwürdigen Umwelt ist  hier insbesondere auch die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen und zu entwickeln sowie den Klimaschutz und die Klimaanpassung, insbesondere auch in der Stadtentwicklung, zu fördern.
Der BUND versteht als Grundlage seiner Anmerkungen die Ziele des Bundesnaturschutzgesetzes und sieht seine Aufgabe in der Sensibilisierung für den Wert von Flora und Fauna, auch und besonders in dicht besiedelten Gebieten und möchte anregen, Natur, Klimaschutz, Land und Leute, aber auch Funktionalität als Einheit zu sehen.