Malus ein Bonus

(Bericht Siegener Zeitung 14-10-2017)
BÜRBACH BUND macht sich für den Apfel stark Die Kreisgruppe Siegen-Wittgenstein pflegt und hegt eine Streuobstwiese – und wirbt schon bei den Kleinsten für die naturbelassenen Sorten.
(ch) Er ist hochherrschaftlichen Ursprungs, diente dennoch einst der Volksgesundheit – und als sehr saftige Sorte aus dem 19 Jahrhundert schmeckt er süßsauer: der Prinz-Albrecht-von-Preußen-Apfel.
Ein robuster, schön gelb-rot gefärbter Apfel, der zu Dutzenden in diesen Tagen auf die Streuobstwiese unterhalb des Bürbacher Neubaugebiets gepurzelt ist. Dort haben ihn die Kinder der Kita Himmelszelt beim Apfeltag der BUND-Kreisgruppe Siegen-Wittgenstein aufgelesen und in Körben zusammengetragen. Um dann die Früchte mit all ihren Sinnen zu ertasten, zu erriechen – und zu erschmecken. Tatsächlich ist das Rund nicht nur lecker, sondern es steckt viel Nährwert in der Frucht mit dem irreführenden lateinischen Namen „Malus“, zu deutsch Übel, Leid und Unheil. Der Apfel enthält nämlich viele „Boni“, wie der Pomologe Theo Morgenschweis den Mädchen und Jungen erklärte. Immerhin über 30 Mineralstoffe und Spurenelemente hat er, auf Grund der vielen verschiedenen Fruchtsäuren gilt er als „Zahnbürste“ der Natur – und jede Menge Vitamine gibt es in und unter der Schale auch noch, so Morgenschweis, der leidenschaftlich bei den Fünf- bis Sechsjährigen für das naturbelassene Produkt Apfel warb: „Diese Äpfel sind nicht alle gleich groß, glänzend und sauber wie im Supermarkt. Diese Äpfel hier schmecken aber!“
Zugleich versuchte der Neunkirchener den Kindern in Ansätzen die Hege und Pflege der besonderen Wiese in Bürbach nahe zu bringen, ihnen die Streuobstwiese als Naturschutz-Aktivität zu erklären. Und das sei dringend notwendig, wie Kreisgruppen-Sprecherin Bärbel Gelling betonte: „Streuobstwiesen gehören traditionell zu unserer Kulturlandschaft. Leider haben wir viel zu wenige von ihnen!“ Die starkwüchsigen, hochstämmigen Obstbäume mit ihren ausladenden Kronen (etwa 1550 davon gibt es auf Siegener Stadtgebiet, zumeist Apfel- oder Kirschbäume) und darunter die Wiesen oder Weiden (auf dem Bürbacher Grün sind Kühe zuhause) seien wertvoller Lebensraum für viele Tierarten. „Insbesondere Vögel, Käfer, Schmetterlinge und Kleinsäuger profitieren von dem reichhaltigen Angebot an Höhlen, Blüten und herabfallenden Früchten“, so Gelling weiter. Der Einsatz von Pestiziden ist hier tabu, Totholzstapel sind hier erwünscht.
Letztere zogen die Klein nach der Ernte der pflückreifen Äpfel magisch an: Äste knackten, die Stapel dienten als prima Versteck – eine Streuobstwiese ist schlicht und einfach auch ein toller Spielplatz.