Interesse an „Gruseltierchen“ wächst

Bund für Umwelt und Naturschutz räumt mit Mythen um Fledermäuse auf

Siegen WP. Noch heute werden Fledermäuse mit Vampiren in Verbindung gebracht. Die Siegener Kreisgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) räumte jetzt mit Mythen rund um die spitzzahnigen Tiere auf – und lud Michael Frede von der Biologischen Station mit Sitz in Ferndorf als Referent in die Siegerlandhalle ein. Frede untersucht das Verhalten und die Lebensräume der Nachtjäger seit Jahren. „Der Kreis ist wegen seines Reichtums an Buchen- und Eichenwäldern sehr wertvoll. Auch lieben die Tiere ein weit verzweigtes Gewässernetz“, so Frede. „Durch Vertrags-Naturschutz zwischen Landwirten, dem Kreis und dem Land NRW unter Begleitung der Fachleute von der Biologischen Station können viele artenreiche Grünlandflächen als Habitat gesichert werden,“ sagte Frede.
Bestandsaufnahme – Der „NABU-Arbeitskreis Fledermausschutz Siegen-Wittgenstein“, den Frede leitet, führt Bestandsaufnahmen und Quartierskontrollen durch. Mittels Lichtschranken könnte die Anzahl überwinternder Fledermäuse in Stollen oder Bergwerken relativ genau gezählt werden, so Frede. Um genauere Individuenzahlen einzelner Arten zu ermitteln, werden Fotofallen installiert. Außerdem würden einzelne Tiere mit Sendern ausgestattet – die hälfen, Sommerquartiere ausfindig zu machen.
Pflege – In der von Christian Sebening betriebenen Fledermauspflegestation in Erndtebrück-Schameder werden schwache, verletzte oder verwaiste Tiere betreut.
Aufklärung – Durch Aufklärung an Schulen und in Kindergärten sei bereits ein Sympathiewandel eingetreten. Verbreiteten Fledermäuse früher durch überlieferte Gruselgeschichten und die raschen Flüge in der Dämmerung ein leichtes Unbehagen, so überwögen bei den Kindern heute Neugier und Wissensdurst.
Arten – Faszinieren würden die Kinder die unterschiedlichen Arten und ihre drolligen Namen: Die kleine Hufnase sei im Kreisgebiet leider ausgestorben, bedauert Frede. Ihre Sommerquartiere, warme Dachböden, seien modernisiert und kaum noch zugänglich. Auch der Einsatz von Holzschutzmitteln hätte zum Verschwinden beigetragen. Gegenwärtig seien in Siegen und Umgebung noch 16 Arten beheimatet.
Quartiere –  Als derzeit bedeutendstes heimisches Fledermausquartier gilt das Schieferbergwerk Hörre in Wittgenstein mit etwa sechs Kilometern Stollenlänge, die auf mindestens drei Ebenen verteilt sind. Bei Erhebungen seien etwa 4000 Tiere als Überwinterungsbestand gezählt worden.
Bedrohung  – Insgesamt seien die Bestände allerdings gefährdet, betont Frede. Als Ursachen gelten Quartier- und Nahrungsmangel, da an Gebäuden immer weniger Unterschlupfmöglichkeiten für die Tiere zur Verfügung stünden und Grünland immer insektenärmer werde. Auch in der Windkraft sieht Frede ein Problem insbesondere für hochfliegende Fledermausarten. Bärbel Gelling, Vorsitzende der BUND-Kreisgruppe, regt daher an, sich für die Plakette „fledermausfreundliches Haus“ zu bewerben. Sie wird jedoch nur noch in diesem Jahr vom NABU Nordrhein-Westfalen vergeben. i Broschüren zum Thema gibt es online auf www.all-aboutbats.net

Fragen, Beratungs- und Informationsbedarf zum Thema Fledermaus unter folgenden Adressen und Telefonnummern

NABU-Hotline: Tel.: 030 284984 5000Michael Frede: Biologische Station Si/Wi, Tel. 02732/767734-1 (während der Dienstzeit mo – fr), E-Mail: m.frede@biostation-siwi.de (Fledermausexperte)

Dr. Martin Wiedemann: Raum Siegen: Tel: 0271/4043447 (während der Dienstzeit mo – fr) E-Mail: m.wiedemann@siegen.de (Fledermauspflege)

Christian Sebening (NABU): Raum Erndtebrück, Tel: 02753/804681 (privat)  E-Mail: AKFledermausSIWI@aol.com (AK Fledermausschutz Siegen-Wittgenstein)

Stefan Tietjen(NABU): Raum Bad Berleburg, Tel: 02753/595422 (privat)  E-Mail: stietjen@aol.com (AK Fledermausschutz Siegen-Wittgenstein)

Projekt: Fledermaus freundliches Haus in NRW: internet: www.fledermausfreundliches Haus NRW.de

NABU NRW -Nadine Willius, Düsseldorf: Tl: 0211 – 15925150

– wie kann man sich engagieren?

– wie kann man sich bewerben für eine Plakette?