Streuobstwiesen in Siegen – Lebensraum und Gesundbrunnen

Obstwiese-BUND-Bürbach02  Früher hatte jedes Dorf seinen „Gürtel“ aus Obstbaum-Beständen. Reste dieser Streuobstwiesen, die in früheren Zeiten ringförmig um die Dörfer angelegt waren, sind auch heute noch da und dort sichtbar. In Kriegszeiten dienten sie der Bevölkerung als Nahrungsquelle. In neuerer Zeit wurden sie jedoch vor allem im Zuge von Siedlungserweiterungen beseitigt  und bereichern nur noch vereinzelt unser Landschaftsbild.
Seit einigen Monaten schon betreuen engagierte MitgliederIMG_2706 der Kreisgruppe Siegen-Wittgenstein im Bund für Umwelt und Naturschutz  (BUND) eine städtische Streuobstwiese in Bürbach. Der BUND hatte daher in das Heimathaus vor Ort eingeladen, um über die Gesamtsituation der alten Streuobstwiesen zu informieren. Biologe Ralf Kubosch erläuterte, dass durch einen Pacht-u. Nutzungsvertrag mit der Stadt Siegen für die nähere Zukunft die Pflege der alten Obstsorten gewährleistet sein soll. Zusammen mit dem ortsansässigen Landwirt könne ein Projekt der Nachhaltigkeit gelingen, das dem Artenschutz dient, und gleichzeitig die Bevölkerung mit den regionalen Naturschutzaktivitäten vertraut macht.  „Wenn schon in der nächsten Erntesaison die Saftpresse in Stellung gebracht wird,  erleben gerade auch Kinder der Kreislauf der Natur,“ freute sich Bärbel Gelling, Sprecherin der BUND-Kreisgruppe und begrüßte es, zum Thema  den versierten Fachmann Patrick Spies vorstellen zu können.
Der studierte Master of science/Umweltschutz,  geboren und  aufgewachsen in Siegen, hatte in seinem  anschaulichen Vortrag der umweltgerechten Landbewirtung  eine Lanze gebrochen. Mit Unterstützung der Stadt Siegen konnte er jetzt seine Erhebung zum Zustand der noch bestehenden Streuobstwiesen im Stadtgebiet vorlegen. Da die letzte Erhebung 1993 stattfand, konnten nun gute Vergleiche zum Istzustand gezogen werden.  Schon ab  drei Bäumen außerhalb von Siedlungsflächen könne man von einer Streuobswiese sprechen, führte er aus.  Aktuell habe er 1551 Bäume erfasst. Der Großteil seien Äpfel, gefolgt von Kirsche und mit nur 1% die Birne. Um den hohen Anteil an den über 50 jährigen Bäumen zu kompensieren, die ja irgendwann abgängig seien, müssten weitere Neupflanzungen erfolgen, mahnte Spies. Der Pflegezustand sei insgesamt durchschnittlich (bis schlecht) und verbesserungswürdig.
Als Richtschnur der Studie gilt die Definition des guten Zustands als hohe ökologische Bedeutung.  75 Standorte wurden in Augenschein genommen und die Begutachtungen in einem Kartierungsbogen eingetragen. Als Kriterium gelten Alter, Sorten, Erhaltung und Pflegezustand für ein artenreiches Biotop.
Wichtig sei die Vernetzung, so Spies.  Ein loser Bestand von Bäumen, die  Sonnendurchlässigkeit und das Nahrungsnetz seien weitere wichtige Bausteine. Zudem könnten aber auch zusätzliche Habitate geschaffen werden, z. B. Holz-u. Steinhaufen, Vogelhecken, Nisthilfen oder Gewässer.
Eine Unternutzung  z.B. durch Tiere könne auch Beeinträchtigungen zur Folge haben.  Hier sollten Nachpflanzung zur Verjüngung eine Schnittwundenbehandlung und Anlage von Baumscheiben erfolgen.
Positiv wertete Spies, dass weiterhin Streuobstwiesen vorhanden seien. Die Anzahl der Bäume sei aber stagnierend. Er plädierte dafür,  Initiativen zur Vermarktung schaffen, z.B. mit dem Alleinstellungsmerkmal  „Siegener Streuobstsaft“.
„Erhalten durch essen“ dieser Begriff des Pomologen Theo Morgenschweis läutete die anschließende Diskussion ein. Rolf Schirmacher vom BUND rückte den medizinischen Wert in den Focus ,  da die so genannte  „Apparatemedizin“ ja ein Gegengewicht durch Bioernährung, Heilpflanzen und die Rückbesinnung auf alte, verträgliche Obst-Sorten erfahre.  Er schlug vor: Mit der Einführung eines Siegerländer Sortenarchivs  könne man bei der Bürbacher Obstwiese anfangen.