Wanderfalke mit Carbofuran vergiftet

Am 1. Januar 2014 sah der Betreuer eines Funkmasten in Siegen in der Nähe einen toten Vogel. Er vermutete einen Wanderfalken vor sich zu haben und rief mich an. Anschließend übermittelte er mir noch ein Foto des Vogels. Anhand des von ihm übermittelten Fotos wurde der Vogel von mir als weibl. Wanderfalke bestimmt. Der Vogel wurde von dem Finder geborgen und mir übergeben. Der Tod muss schon im Dezember 2013 eingetreten sein, da er sich der Vogelkörper im Zustand der Verwesung befand. Ich versuchte noch am Neujahrsabend einen Tierarzt zu finden, um den Wanderfalken röntgen zu lassen. Das gelang mir leider nicht.

Vergifteter Wanderfalke Foto: L. Grünter

Vergifteter Wanderfalke
Foto: L. Grünter

Am nächsten Morgen brachte ich das tote Wanderfalkenweibchen zu dem Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Kreises Siegen-Wittgenstein. Dort wurde der Wanderfalke wegen der fortgeschrittenen Verwesung tiefgefroren, obwohl der Pathologe bei dem Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Westfalen in Arnsberg dies für die Untersuchung für ungünstig hielt, aber der Verfahrensweise zustimmte, da die Untersuchung erst am 7.1.2014 erfolgen konnte. Ergebnis der in Arnsberg durchgeführten Untersuchung war ein guter Ernährungszustand des Falken. Auch äußerlich gab es keine Anhaltspunkte für die Todesursache. Der Kropf war sehr stark ausgedehnt und mit Fleischstücken und Federresten gefüllt. Ebenso der Magen. Durch die frische Nahrung ergab sich der Verdacht einer Vergiftung. So wurde Organmaterial (Kropf-/Mageninhalt, Leber und Blut) dem Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe in Münster zur toxikologischen Untersuchung übersandt. Die dortige Untersuchung ergab 6,9 mg/kg des Kontaktgiftes Carbofuran. Das ist etwa die zehnfache Menge der Giftdosis, die nötig gewesen wäre, den Vogel zu töten! Der Ursprungswert des seit dem Jahr 2008 in der EU verbotenen Giftstoffes muss noch höher gewesen sein. Nach der Wirkweise des Giftes ist davon auszugehen, dass der Vogel über Krämpfe, Atemlähmung und Kreislaufversagen zu Tode gekommen ist.

Funkmast Siegen-Eisernhardt Foto: A. Raab

Funkmast Siegen-Eisernhardt
Foto: A. Raab

Nachdem nun amtlich festgestellt worden war, dass der Wanderfalke Opfer eines Giftanschlages wurde, habe ich bei der Kriminalpolizei in Siegen Strafanzeige erstattet und mit tatkräftiger Unterstützung der Pressereferentin des NABU NRW, Frau Königs, die Presse informiert. Ferner ging die Information an das Komitee gegen den Vogelmord und an die Stabsstelle für Umweltkriminalität beim Umweltministerium in Düsseldorf. Herr Hintzmann, der Leiter der Stabsstelle, erstattete ebenfalls Strafanzeige und gab wertvolle Tipps.

Bei einem Pressetermin, zu dem alle Medien der Region anwesend waren, wurde ich von dem presseerfahrenen Axel Hirschfeld vom Komitee bestens unterstützt. Wir erläuterten den Medien u.a., dass mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Taubenhalter als Täter ausgegangen werden muss, da in allen Fällen, in denen die Täter solcher Giftanschläge ermittelt werden konnten, Taubenhalter die Verursacher waren.

Frau Königs sorgte dankenswerter Weise für eine landesweite Verbreitung von Presseerklärungen.

Die Medien riefen in der Folge dazu auf, Hinweise zu geben, die zur Ergreifung des Täters führen können. Da nach mehreren Wochen noch keine Hinweise eingegangen waren, wurde vom Komitee, der AG Wanderfalkenschutz NRW, dem NABU Landesverband und der NABU Kreisgruppe Siegen-Wittgenstein eine Belohnung von insgesamt 2500 € für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, ausgelobt. Leider hatte auch das keinen Erfolg, so wurde das Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Siegen vorläufig eingestellt.

Das Erfreuliche bleibt der Triumph gegenüber dem Täter: an dem mutmaßlich betroffenen Brutplatz wurden seit 2011 Eier gelegt, aber es schlüpfte kein Jungvogel. Im Jahr 2014 gelang mit einem neuen Weibchen eine erfolgreiche Brut und 3 Jungvögel flogen aus. (Ein wenig Spekulation ist dabei, da weder der tote Falke, noch das nachfolgende Weibchen beringt waren.)

Alfred Raab
A.R., A.C.Raab@gmail.com