Wildkatzen auf dem Sprung

aufmerksame Zuhörer beim Wildkatzenvortrag

„Die Wildkatze, der kleine Tiger Deutschlands, ist auf dem besten Wege, auch bei uns im Siegerland heimisch zu werden. Diese gute Nachricht überbrachte der hiesigen Kreisgruppe des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) die Biologin und BUND-Projektleiterin Dr. Christine Thiel.

Bei einem gemeinsamen Vortrag in der Siegerlandhalle mit Förster Matthias Mennekes schilderte sie zunächst die Voraussetzungen eines intakten Lebensraums für einen notwendigen genetischen Austausch der Population.

Matthias Mennekes hält seinen Vortrag zur Wildkatzen- Waldbewirtschftung

Matthias Mennekes hält seinen Vortrag zur Wildkatzen- Waldbewirtschftung

Mit anschaulichen Photos wurden die Unterscheidungsmerkmale der scheuen Einzelgängerin gegenüber einer Hauskatze deutlich: Das dickere Fell, der buschige Schwanz mit dunklen Ringen und stumpfem schwarzen Ende und der fleischfarbene Nasenspiegel sei aus der Ferne aber nicht immer einfach zu bestimmen.

Wildkatzen galten bis vor einigen Jahren in Nordrhein-Westfalen als ausgestorben. Nur in der Eifel waren einzelne Exemplare zu Hause.
Das Bundesland Hessen habe aber als Drehscheibe eine große Bedeutung, berichtete Thiel. „Hier, in unserer angrenzenden Nachbarschaft, existieren bundesweit größere Vorkommen der Felis silvestris silvestris, der europäischen Art.“

Das Rothaargebirge an unserer Landesgrenze sei das wichtigste Quellgebiet und die Windwurfflächen ideale Jagdreviere der geschützten Tiere, so die Referentin. Nachweise auf der Kalteiche, die die scheuen Tiere auf ihren Wanderrouten durchstreifen, habe es bereits gegeben. Für die genaue Bestimmung würden deshalb Holzpflöcke angebracht und mit einer Baldrianlösung besprüht. Die zurückgelassenen Haare an diesen Lockstöcken würden vom Forschungsinstitut Senckenberg ausgewertet. So bekomme man Aufschluß darüber, ob Wildkatzen Fuß gefasst und sich reproduziert haben. Es ließen sich zuverlässig Verwandtschaftsbeziehungen und Wanderkorriodore feststellen.

Der „Wildkatzensprung“ ein Projekt, das vom BUND betreut und im Rahmen des Bundesprogramms „Biologische Vielfalt“ vom Bundesamt für Naturschutz gefördert wird, soll ein Waldverbund von zwanzigtausend Kilometern werden. Gut durchlässige Korridore, damit die Tiere wieder weiter Fuß fassen und sich ausbreiten können.

Bärbel Gelling bedankt sich bei M. Mennekes und Dr. Ch. Mennekes (von links)

Bärbel Gelling bedankt sich bei M. Mennekes und Dr. Ch. Mennekes (von links)

Dieser Biotopverbund soll mit einer Aufwertung von Bachläufen und – tälern einhergehen, erläuterte Thiel. In den strukturreichen Waldrändern des Siegerlandes seien die Bedingungen ideal. Ziel sei , dass die Tiere die menschengemachten Hindernisse wie Zerschneidung durch Straßen, Ackerbau und Baugebiete überwinden könnten. Sie bedauerte, dass es in vielen wirtschaftlich genutzten Waldgebieten zu wenig Schlafplätze, Versteckmöglichkeiten und Wurfplätze zur Aufzucht von Jungen gebe.

„Die Wildkatze wurde der Vergangenheit erbarmungslos verfolgt und in Deutschland nahezu ausgerottet“, bedauerte Thiel. Die Annahme, sie würde ihre Nahrungsquelle aus kleineren Wildtieren bestreiten, sei längst wiederlegt. Hauptsächlich ernähre sich die nachtaktive Katze von Mäusen. Die Biologin warb vor den zahlreich erschienenen Zuhörern für eine Wildkatzenpatenschaft, um die Bestände zu sichern. Der BUND bietet aber auch im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes Wege an, sich zu engagieren.

Revierförster Matthias Mennekes betreut den Staatswald im Kreisgebiet zw. Siegerland und Wittgenstein über den Rothaarkamm, Burbach- Holzhausen bis Elberndorf. Insgesamt 21 Quadratkilometer mit Höhen von 440 bis 670 m. Ein Wohlfühlfaktor für die Wildkatze. Erste Beobachtungen machte man 2004 im Rahmen der Untersuchung der Fernstraßentrasse B 508 durch Wildtierkameras. Um mit einer stärkeren Ausrichtung der Waldbewirtschaftung auf die Lebensweise der Wildkatze einzugehen, gelte im Rahmen der Nachhaltigkeit der Grundsatz: Waldbestände älter werden lassen, Verzicht auf Kahlschläge, Buchenunterbau in Nadelholzbeständen, Förderung für seltene Baumarten wie Esche, Vogelbeere oder Kirsche, Belassen von Totholz, Steuerung der Naturverjüngung durch Licht sowie Maschineneinsatz nur auf Rückegassen. Im Hinblick auf die Ansiedlung Wildkatze sei eine Besucherlenkung wünschenswert . Mennekes rückblickend: „Kyrill war ein gravierendes Ereignis. Umgekippte Wurzelteller und Baumstümpfe bieten nun Deckung, Freiflächen mit Büschen und Säumen schaffen grüne Korridore“. Ziel aller gemeinsamen Naturschutzmaßnahmen sei, die biologische Vielfalt in Deutschland zu erhalten.