Strom aus lokaler Wasserkraft

Zu einer Exkursion zur Besichtigung des Wasserhochbehälters am Lindenberg hatte jetzt der Bund für Umwelt und Naturschutz öffentlich eingeladen. Der Umweltverband wollte dabei den Focus auf eine alternative, ortsnahe Stromerzeugung legen, denn die Siegener Versorgungsbetriebe (SVB) nutzen dort die Kapazitäten des Wasserhochbehälters zur Energiegewinnung.

„Die Energie, die sonst ungenutzt ins Leere laufen würde, erzeugt so reinen Ökostrom“ erläuterte Dipl.-Ing. Bernd-Dieter Ferger, technischer Leiter der SVB, in seiner Einführung.

Bei einem Besuch in den schottischen Highlands sah er , dass an einem Bachlauf durch ein Rohrleitungssystem ein Keilriemen mit Welle angetrieben wurde. Hier reiften seine Visionen für Siegen. Nach einigen Versuchen konnten diese alsbald in Eiserfeld verwirklicht werden.

Mit dem Hochbehälter am Gilberg sei das erste Projekt gelungen, am Lindenberg nun das zweite verwirklicht worden, so Ferger. Mit der Anlage im Tiergarten könnten so von 25 Siegener Hochbehältern drei zur Stromerzeugung genutzt werden. Er verwies darauf, dass dies ein äußerst kostengünstiges Verfahren sei. Die Aufwendungen für die rückwärts laufende Pumpe im Turbinenbetrieb als Generator und die Installation beliefen sich auf gerade einmal 18.000 Euro.

Die Energie des strömenden Wassers werde in Strom umgewandelt. Die Pumpe laufe unermüdlich, dabei würden tägl. bis zu 90 kw Strom erzeugt. Eine Einspeisvergütung von 12.8 ct./kw auf der Basis des Gesetzes zur Förderung erneuerbarer Energien macht die Anlage zusätzlich rentabel.

Die Anwesenden konnten sich im Inneren des Hochbehälters ein Bild von der einfachen aber dennoch so wirkungsvollen Anlage machen und waren beeindruckt vom gut gefüllten Wasservorratsbecken. Auftauchende Fragen beantwortete ergänzend Thorsten Haardt, als Elektromeister der SVB eng vertraut mit den Vorgängen.

Viele der zahlreichen interessierten Zuhören wunderten sich, dass dieses einfache Verfahren nicht flächendeckend zum Einsatz komme. Angesichts der Energiewende müsse jede Alternative genutzt werden, forderten sie. An vielen Standorten seien Windräder in die Kritik geraten, diese Art der Stromerzeugung tangiere dagegen Natur und Anwohner nicht. Der BUND richtete einen Appell an andere Kommunen untersuchen zu lassen, ob auch an anderen Standorten mit diesem System ein Beitrag zum Energiemix geleistet werden könne. Mit einem wasserbetrieben Taschenrechner, als sinnvolles Andenken an die Führung, wurde der Rundgang zu einem bleibenden Eindruck.

Bericht: Ines Schulte-Wilde
Tel.: 02739/2152