BUND-Exkursion zum Historischen Hauberg Fellinghausen im Okt.

BUND-Exkursion zum  Historischen Hauberg Fellinghausen im Okt.

Die Arbeit im Hauberg ruht zur Zeit – nicht aber das Interesse an diesem Teil der Siegerländer Kulturgeschichte. So setzten sich auf Einladung des Siegener Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Wissbegierige auf die Spuren der jüngsten Siegerländer Vergangenheit. Auf einer Fläche von vierundzwanzig Hektar entstand in Fellinghausen die alte Tradition wieder neu: Der historische Hauberg! Unter der sachkundigen Führung von Forstdirektor i.R. Alfred Becker tauchte man ein in eine straff geregelte Wirtschaftweise, einen Kreislauf der Gewinnung von Bodenschätzen unter der Erde, Holz, Getreide und Grünsaat über dem Boden. „Nachhaltigkeit – ein Wort das in unser tägliches Handeln Eingang finden sollte, wurde schon damals praktiziert,“ so Becker als passionierter Haubergsgenosse. „Die Menschen damals wussten schon wie man wirtschaftet, ohne ihre natürlichen Lebensgrundlagen zu gefährden.“ Unter der strengen Haubergsordnung wurde dem Wald entnommen, was man zum Leben brauchte. An erster Stelle Kohle für die Schmelzöfen, Lohe zum Gerben des Leders, Holz für den Hausbrand, Roggen für das Brot, Schanzen für die Backhäuser, Futter für das Vieh. „Der Hirte, damals meist ein Bediensteter der Gemeinde, genoss hohes Ansehen wegen seiner Verantwortung für den wertvollen Tierbestand, der zum Weiden in den Hauberg getrieben wurde, aber auch wegen seiner medizinischen Kenntnisse,“ fügte Becker hinzu. Diese vielfältige Form der Bewirtschaftung prägte das Siegerland mehr als drei Jahrhunderte. Man schützte und nutzte die Wälder, die einen bescheidenen Wohlstand sicherten. Die Männer und Frauen, die heute in Fellinghausen Knipp, Hainhacke und Hoach, den kleinen Hakenpflug, beherrschen, lassen für uns im Schauhauberg wieder Roggen und Buchweizen wachsen.
Das geerntete Holz aus den Niederwäldern war damals jedoch das Haupterzeugnis. Die Kohlenmeiler rauchten Tag und Nacht für die Beschickung der Lataeneöfen. Die Genossen schälten die gerbstoffreiche Rinde der Eichen aber auch zum Gerben von Tierhäuten. Alte Straßenamen in Siegen, wie der Häutebachweg oder der Lohgraben erinnern noch an diese mühevolle Arbeit. Dass eine Generation nur so viel aus der Natur nehmen darf, wie in ihrer Zeit nachwächst, ist eine zentrale Forderung der Umweltverbände, denn aus der Vergangenheit können man lernen: Bevor nämlich die segensreiche Haubergsordung die Richtschnur bildete, haben auch unsere Vorfahren einst die bittere Erfahrungen machen müssen, dass Raubbau an der Natur die Wirtschaft zum Erliegen bringt. Der Wald, den sie energetisch zum Schmelzen des Eisenerzes brauchten, war ihnen riesig und unendlich erschienen. Da er aber nur langsam nachwuchs, waren sie dabei ihre Zukunft zu verfeuern. „Wir als Nachfahren haben die Aufgabe, aus diesen Einsichten zu lernen,“ forderte Ulrich Banken vom BUND auf, „das Thema ist lebenswichtig“!