Flächenverbrauch im Siegerland

Die Naturschutzverbände werden in der Planungsphase auf Wunsch der verschiedenen Bürgerinitiativen tätig, die von diesem Projekt direkt betroffen sind. Es ist dringend notwendig, zu all diesen zurzeit gleichzeitig laufenden Planungen einmal etwas Grundsätzliches zu sagen. Zum Ersten beruht diese Gewerbe- und Industrieplanung immer noch auf dem Grundsatz ständigen Wachstums. Sie basiert auf der Annahme, dass dafür unermessliche Vorräte an Naturgütern vorhanden seien. Dem ständigen und beharrlichen Drängen von Wachstumspropheten im Verbund mit der Baulobby und ganzen Stäben von Verwaltungen und Planungsbüros können unsere Entscheidungsträger nur zu oft nach. Als Argument wird dabei stets die Sicherung und Vermehrung von Arbeitsplätzen angeführt, wofür die Naturgüter hemmungslos geopfert werden: An 5 Stellen gleichzeitig finden derartige Planungen allein in der Stadt Siegen statt. Auch hier ist längst klar, dass diese Großvorhaben meist die Ansiedlung von Großbetrieben mit Großtechnologie, mit stetiger Maschinisierung, Chemisierung und Rationalisierung zur Folge haben. Gerade dadurch kommt es eben nicht zur Vermehrung von Arbeitsplätzen, sondern diese werden Statistiken zufolge eher wegrationalisiert. Vielfach kommen auswärtige Fremdfirmen zum Einsatz. Zum Zweiten hat diese Zentralisierung zur Folge, dass sie stets den Bau eines Großstraßennetzes initiiert. Hierdurch entstehen lange Anfahrtswege und damit ein stetig anwachsender Pendelverkehr und wachsender Energie verbrauchender Massentransport auf der Straße. Dies beruht u. a. auf dem Glauben, Energie würde ständig wachsen und dies trotz absehbaren Verbrauchs an fossilen Brennstoffen. Die systemischen Veränderungen gehen immer nur in die Richtung der Funktionstrennung von Wohnen hier, Arbeiten woanders, Freizeit und Erholung wieder woanders. usw. Zum Dritten erwecken die in dem Symposium zu unseren Eingebungen erfolgten Anmerkungen den Eindruck, dass hier trotz aller guter Argumente der Naturschutzverbände von den Planern krampfhaft an alten Grundsätzen festgehalten wird, ja geradezu um sie herum argumentiert wird: Naturschutzgründe, weite Entfernung von den Eisen- und Stahlstandorten der zu beliefernden Betriebe, die Verkehrszunahmen durch die anliegenden Dörfer (obwohl die Verkehrsgutachter dies ausdrücklich betonen) werden einfach nicht gehört. Der Verkehr durch Lindenberg und über die L 907 (Oberschelden, Gosenbach und Niederschelden) wird erheblich zunehmen, zumal hier ein bequemer Anschluss an die HTS Siegen- Süd gebaut wird. Auf dem Prinzip Hoffnung beruht der Anschluss an die Autobahn beim Autobahnparkplatz Lindenberg. Ebenso ist der Bau der B565n durch das Heuslingtal äußerst problematisch und ungesichert. Wenn diese Zuwegung nicht kommt, wird die Anfahrt durch die Orte bei den engen und kurvenreichen Straßen höchst problematisch, besonders für die Anwohner. Zum Vierten zweifeln wir erneut den Bedarf von 120 ha Fläche für Gewerbe- u. Industriegebiete der Stadt Siegen an, ebenso die Bedarfsberechnungen von. Seit 2003 sind viele Brachflächen in Siegen durch Abriss entstanden, die leider zu Fehlnutzungen für Großdiscounter, Parkplätze, Lagerhaltungen usw. in Anspruch genommen worden sind. Hier sind die Naturschutzverbände allerdings auf Transparenz angewiesen, ob tatsächlich nur eine Fläche von 8,7 ha aus 6 Einzelflächen vorhanden ist. Im Leimbachtal und in der Martinshardt sollen doch sogar ca. 15 ha entstehen. – Die Ansiedlung und Verlagerung von Firmen für „die Schwerpunktbranchen Metallverarbeitung und Maschinen- und Anlagenbau“ werden hier äußerst ungünstig gesehen, da sie aus logistischen Gründen wegen An- und Ablieferung, Ver- und Entsorgung besser im Verbund mit den zentralen Betrieben angesiedelt wären. Die Lage an der Schiene und HTS in Siegen selbst wäre für einen derartigen Standort viel schonender angebracht, statt auf einer solchen dezentralen Höhenlage oberhalb von Seelbach und Oberschelden. Zum Fünften haben sich die Naturschutzverbände schon bei der Aufstellung des Regionalplanes 2007 und des Landschaftsplanes bemüht, ihre Argumente anzubringen – leider vergeblich! Angesichts der Übermacht von gut besetzten Bauverwaltungen, Planungsbüros, der Wirtschaftförderungssysteme, des Straßenbaus und der Baulobby usw. ist es durch die ehrenamtliche Besetzung in unserem Bereich, die geringe Zahl an Stellungnehmern und die geringe finanzielle Unterstützung einfach nicht möglich, einen echten Dialog zu bewirken. Angesichts der oben genannten Argumente hinkt der Naturschutz, der ja auch im Sinne der Betroffenen wirkt, immer hoffnungslos hinterher. An der Wachstumsmentalität des Verbundes von Wirtschaftsförderern und Politikern haben auch regionale, staatliche und internationale Appelle für den Artenschutz, eine Verringerung des Bodenverbrauchs und der zunehmenden Klimaerwärmung nichts geändert. Zum Sechsten werden bei artenschutzrechtlichen Prüfungen und Bewertungen nur wenige sehr seltene Arten für die Planungsrelevanz herangezogen. Die Auswirkungen von Planungen auf die Erhaltung der Biodiversität wird durch die Fokussierung allein auf diese sog. „planungsrelevanten“ Arten nicht oder kaum noch gesehen bzw. bewertet. Damit wird deutlich, zu welch marginaler Bedeutung der von allen geforderte Artenschutz in der Realität zusammengestutzt worden ist. Das ist sicher politische Absicht nicht nur auf Landes-, sondern – wie dieses Beispiel zeigt – auch auf kommunaler Ebene. Zum Siebten wird hier immer drastischer in das Eigentum von Waldgenossenschaften und der Landwirte eingegriffen, von dem man sich nach dem alten „Slogan des Gemeinwohls und des öffentlichen Interesses“ nur zu bedienen braucht. Dabei merkt man nicht, dass die Bevölkerung inzwischen ganz andere Sorgen hat. Grundsätzlich ist Eigentum durch die Verfassung geschützt. Die Planungen sind aber durch Planungsfehler und erhebliche Proteste von Bürgern und Umweltschützern in Frage gestellt worden. CDU, SPD und UWG haben ihr Versprechen „ohne Autobahnanschluss kein Gewerbegebiet“ zu oft wiederholt, als dass man es vergessen könnte! Zudem führt die Reduzierung der land- und forstwirtschaftlichen Flächen entweder zur Betriebsaufgabe oder zu weiterer Intensivierung der Bewirtschaftung auf den Restflächen mit den bekannten negativen Auswirkungen auf den Naturhaushalt, insbesondere auf die Artenvielfalt. Des Weitern braucht hier nicht noch einmal auf die Beeinträchtigungen auf die Kulturgüter Besiedlung, Lärm, Immissionen, Landschaft sowie Land- und Forstwirtschaft eingegangen werden. Diese Einwände werden leider im Symposium zu unserer Stellungnahme ziemlich heruntergespielt und verharmlost. Zu den Themen Wohnen, Lärm, Luft usw. ist in unserer Stellungnahme eine ausführliche Argumentation vorgelegt worden. Darauf wird hier ausdrücklich verwiesen. Schon durch die vorhandenen Zufahrtsstraßen liegt hier eine hohe Belastung vor. – Zum Landschaftsschutz hat man hier auch eine Eingrünung der Terrassen bei dem Gewerbegebiet Wilhelmshöhe West versprochen. Wo bleibt die Eingrünung durch Bäume und Sträucher? Heute leuchten diese Gebäude weit über die Siegerländer Landschaft hinaus! – Zur Forst- und Landwirtschaft kann man doch nicht einfach behaupten, dass die Waldflächen Oberscheldens und Seelbachs ausgleichbar wären und gleichzeitig erklärt, ein „flächenhafter Ersatz der Waldflächen durch Ersatzaufforstungen im Stadtgebiet von Siegen (sei) weder möglich noch sinnvoll“. In diesem Zusammenhang wird noch einmal auf unsere Argumente aus der letzten Stellungnahme verwiesen. Gerade die Mittelgebirge haben in dem verdichteten Siedlungsgebiet Deutschland eine hohe Klima verbessernde Bedeutung und dies gerade in der heutigen Zeit. – Man argumentiert hinsichtlich unseres Wunsches, die Naherholungsgebiete Lurzenbach/ Buschelde nicht zu verschlechtern, damit, das wäre gewissermaßen nicht nötig, weil sie sowieso schon durch die Autobahn belastet seien.