Fläche ist ein knappes Gut

doch Tag für Tag werden fast hundert Hektar Wald, Wiesen und landwirtschaftlich genutzte Böden für neue Siedlungen und Verkehr in Anspruch genommen, bedauert die Kreisgruppe Siegen-Wittgenstein des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und fordert von den hiesigen Kommunen ein Umdenken. Zusammen mit elf Siegerländer Bürgerinitiatativen gegen Flächenverbrauch auf intakter Natur organisierte der Umweltverband im vollbesetzten Eintrachtsaal der Siegerlandhalle eine Diskussionsveranstaltung zum Thema Flächenverbrauch.
Von Hilchenbach bis Burbach fühlen sich Bürger von der Ausweisung immer neuer Gewerbegebiete in ihrer Lebensquatät eingschränkt, so die BUND-Vorsitzende Bärbel Gelling, in ihrer Einführungsrede. Wir sind jedoch nicht gegen neue Industrieansiedlung und wir begrüßen ausdrücklich die Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze. Dies kann jedoch nicht durch immer neue Inanspruchnahme wertvoller Natur geschehen.
Die Referenten des Abends, Prof. Dr. Siegfried Bauer von der Justus-Liebig-Universität Giessen und Markus Pierk vom Agenda-Forum in Bonn waren sich in Ihrer Einschätzung einig: Die Wiedernutzung von städtebaulichen Brachen und leer stehenden Gebäuden, sowie die Verringerung neuer Flächenbebauung sollten künftige kommunale Ziele sein. Prof. Bauer, der den Lehrstuhl zukunftsfähige Raumnutzung innehat, mahnte ein neues Flächenbewußtsein an. Er verwies auf die Folgelasten des Flächenverbrauchs wie vermehrte Hochwassergefahr durch Versiegelung einerseits und Klimaveränderungen durch vermehrte Trockenheit im Sommer wegen fehlender Möglichkeit der Böden, Wasser zu speichern.Auf den auf Bundesebene einberufenen Rat für nachhaltige Entwicklung setzt Markus Pierk seine Hoffnung: Das bundesweite Ziel, den Flächenverbrauch auf 30 Hektar pro Tag zurückzuschrauben, sei den meisten Kommunen bekannt. Noch immer aber bedeute Wirtschaftsförderung in vielen Städten und Gemeinden die Ausweisung immer neuer Gewerbegebiete.
Veränderungen müßten in Kooperation mit den Bürgern geplant werden, war der einhellige Tenor der anwesenden Vertreter der Siegerländer Bürgerinitiativen. In Zeiten knapper öffentlicher Kassen werde die Finanzierung von Infrastruktur problematischer, die Bürger steuerlich immer mehr belastet. Mehr Kosten- und Planungswahrheit forderte auch Wolfgang Stock von der BUND-Kreisgruppe Altenkirchen ein. Einige AK- Gemeinden hätten bereits erfolgreich das Instrument des Flächenrecyclings genutzt.
Als Hauptgrund für die zunehmende Inanspruchnahme von intakten Naturgebieten wurde die Konkurrenz der Kommunen um Einwohner und Arbeitsplätze ausgemacht. Hier müsse eine verstärkte interkommunale Planung stattfinden, so die Diskussionsteilnehmer. In einer beeindruckenden Visualisierung des Freudenberger Gewerbegebiets wartete der Vorsitzende der etwa 350 Mitglieder starken Bürgerinitiative Wilhelmshöhe West, Dieter Ohrndorf, mit konkreten Zahlen auf. Von der ursprünglich als interkommunales Gebiets vorgesehenen Fläche von insgesamt 83 Hektar seien durch Böschungen, Regenrückhaltebecken, Straßen, etc. lediglich 37 Hektar zu vermarkten. Wir sind aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen, war sein Appell an die Anwesenden. Und weiter mit Blick auf die erheblichen Landschaftseingriffe, die von der Politik abgesegnet würden: Wir können kritische Projekte nicht Schwarz, Rot, Gelb oder Grün überlassen.
Auch die Vorsitzenden der Bürgerinitiativen Seelbach-Oberschelden, Helmut Böcking und Wilnsdorf, Ekkehard Blume, stellten die betroffenen Gebiete in ihren Gemeinden vor. Die anderen Initiativen zogen das Fazit: Solange Gewerbegebiete wie Kalteiche, Siegerlandflughafen, Insbachtal und die Gewerbebrachen in Siegen komplett oder zum Teil leer stünden, sei ein neuer Bedarf nicht nachvollziehbar. Auch eine länderübergreifende Betrachtung mit Hessen oder Rheinland-Pfalz sei dringend geboten, so die Initiatoren der Veranstaltung. Der BUND fragt sich, wieviel Geld für die Bürger den Kommunen zur Verfügung stünde, wenn statt in neue Gewerbegebiete direkt in Arbeitsplätze investiert würde und ist überzeugt: Mehr Angebote bei Bussen und Bahnen, stabile Kinder-u. Jugendarbeit, Lebensmittelkontrollen, Umweltschutzmaßnahmen, Sicherheit, setzen zusätzlich Menschen in Lohn und Brot. Ehrliche Zahlen erzeugen eine ehrliche Diskussion, so die Veranstalter, die die Debatte künftig direkt in die Rathausstuben hineintragen wollen.