Ökologische Zusammenhänge im Siedlungsbau

Ökologisches Denken und Handeln setzt ganzheitliches Denken voraus, ähnlich den ganzheitlichen medizinischen Betrachtungsweisen. Hierbei ist die Einbeziehung von Körper, Geist und Seele die entsprechende Voraussetzung.  In einem ungestörten Naturkreislauf, ob dies nun pflanzliches oder tierisches Leben oder unsere Lebensgrundlagen Wasser und Luft betrifft, sind alle Abläufe untereinander vernetzt und somit die verschiedenen Abläufe im Gleichgewicht, wie dies auch bei einem gesunden Körper bei entsprechender Ernährung und seelischem Gleichgewicht der Fall ist.  Wird aus dieser Vernetzung ein Glied entfernt, kommt es zu einer Kettenreaktion, die das Gesamtsystem durcheinander bringt. Bis zum Einsetzen der Industrialisierung war die Welt aus ökologischer Sicht einigermaßen in Ordnung.

Ökologische Bauweisen und Baustoffe der Vergangenheit
Da es wenig Transportwege und außer dem Pferdefuhrwerk keine Transportmittel für den Baumaterialtransport gab, wurde überwiegend mit örtlich vorhandenen Materialien gearbeitet. (Die Vermeidung langer Transportwege ist bei der heutigen ökologischen Bewertung von Baustoffen daher eine wesentliches Kriterium) Gebaut wurden Häuser entweder massiv in Naturstein, der vor Ort abgebaut, bearbeitet und verbaut wurde oder in Fachwerkbauweise, da Wald in ausreichendem Maße vorhanden war; Lehm in den Talauen und Weiden in den Auwäldern für die Gefache ebenfalls.  Die Geflechte der Gefache wurden mit Strohlehmbatzen verschmiert und darauf ein Putz aus Lehm, Tierhaaren und Kalk aufgebracht. Örtlich unterschiedlich wurden auch ungebrannte Lehmziegel vermauert. In lehmarmen Gebieten wurden auch ungebrannte Ziegel verwandt. Aus dem 17. Jahrhundert sind einige wenige Häuser erhalten, die mit meterdicken Wänden bis zu 4 Geschosse in massiver Lehmbauweise errichtet wurden. Für die Dachdeckung fanden je nach örtlichen Gegebenheiten Stroh, Reed, Schiefer und Dachziegel Verwendung. Der Dachziegel hatte und hat hierbei den höchsten Energieeintrag bei der Herstellung zu verzeichnen. (Energieaufwand zur Materialherstellung = Primärenergie)  Das Ziegelbrennen geht auf die alten Römer zurück und ist somit ein historischer, jahrtausendealter Baustoff.  Die bisher genannten Bauweiden, sind bis zum heutigen Tag noch gebräuchlich, wenn auch die Lehmbauweise in der Bundesrepublik nur noch von einigen wenigen Firmen ausgeführt wird. Sowohl ökologisch, als auch aus Sicht der Baubiologie sind die zuvor beschriebenen Materialien einwandfrei.

Ökologische Situation heute und die erforderlichen Bauweisen
Durch die industrielle Entwicklung, Erfindung der Eisenbahn, des Autos, des Flugzeugs, sprich durch die grundsätzlich mögliche Mobilität des Einzelnen, Transporte von Massengütern und dem sich daraus ergebendem Wandel der Lebensumstände sind die Ansprüche des Einzelnen stark gestiegen. Hieraus resultiert ein enormer Anstieg des Energiebedarfs in den letzen 60 Jahren. (CO2-Effekt)  Die Minderung des Energieverbrauchs stellt das Hauptkriterium der heutigen ökologischen Denkansätze dar. Die Prämisse der Bauschaffenden muß heute lauten; möglichst ortsnah hergestellte, mit wenig Primärenergie belastete, natürliche Baustoffe zu verwenden und daraus Gebäude zu erstellen, die in der Bewirtschaftung den „echten“ Niedrigenergiehausstandard erreichen oder sogar unterschreiten (Passivhaus).

Gebäudekonzepte
Das Ziel sollte sein, den Energiebedarf soweit herunterfahren zu können, daß es Sinn macht, solare Energie anzuwenden – sowohl passiv als auch aktiv. Die energetische Amortisation muß hier im  ordergrund stehen, d.h. die für die Herstellung einer Solaranlage aufgewendete Energie muß durch die erbrachte Energieleistung in möglichst kurzer Zeit wieder erbracht sein.  Dies ist als Beispiel zu verstehen. Die Betrachtungsweise Baustoffe über den Energieeintrag zu deren Herstellung (Primärenergie) zu bewerten ist zunächst das Hauptkriterium. Es macht wenig Sinn eine hoch wärmedämmende Außenwand herzustellen, deren Materialien mit sehr hohem Energieaufwand erzeugt wurden, um anschließend in geringem Maße Heizungsenergie einzusparen.